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In diesem Schuljahr bot sich mir die Gelegenheit, einen Erasmus+ Aufenthalt im Ausland zu verbringen.

Die Wahl fiel bei mir auf ein Land, das bei den meisten ein wohl eher selten in den Vordergrund gestelltes Ziel ist – nämlich Bulgarien! Der Grund hierfür sind meine bulgarischen Wurzeln und dem sich daraus ergebenden inneren Interesse für die Kultur des Landes. 
Schon bald nach meiner Ankunft traf ich mich mit Weselin, meinem Begleiter für den folgenden Monat, den ich praktischerweise schon davor kannte und der interessanterweise auch der Schulsprecher meiner Gastschule ist. Am nächsten Tag begann ich dann bereits mit ihm und einem weiteren Schüler zur Schule zu pendeln, um den Schultag zu beschreiten. Die Fahrzeit von 45 Minuten wirkt überraschend, ist aber in einer europäischen Hauptstadt wie Sofia wenig verwunderlich. Im Klassenraum angekommen, lernte ich eine Klasse kennen, die noch nie mit einem Austauschschüler konfrontiert war. Da ich der bulgarischen Sprache aber zu einem gut hinreichenden Grad mächtig bin, konnte ich mich mit einigen Schülern und oft auch den Lehrern ganz interessant austauschen – mit einigen daraus entstehenden Anekdoten, die mir definitiv im Kopf bleiben werden. Es war wirklich eine sehr bereichernde Erfahrung. Ich möchte eine Besonderheit meiner Gastschule erwähnen, die für uns ganz untypisch scheint. Der Schultag beginnt, wie auch bei uns, um 8:00, jedoch mit sieben 45-minütigen Unterrichtseinheiten und stets 10-minütigen Pausen, bis auf eine 20-minütige. Was weniger angenehm war, war das ständige Wechseln zwischen Klassenräumen in jeder Stunde, da die Klasse dort keinen fixen Klassenraum hatte, sondern nur jeweils der unterrichtende Lehrer. Dies stellte für mich eine logistische Herausforderung dar, mangels Stunden- und Raumplan. Man gewöhnt sich daran, schätze ich! Woran man sich auch zuerst gewöhnen musste, war der unfassbare Lärmpegel der Schüler, der nur von so manchen Lehrern überstiegen wurde. Die Lautstärke aufrecht zu halten, muss ganz schön anstrengend sein, weswegen ich des Öfteren beim Umschauen in der Klasse auch den ein oder anderen völlig Eingeschlafenen erspähen konnte. Das macht im Ganzen einen durchaus unterhaltsamen Klassenraum, wenn wir einmal das Erfüllen des Bildungsauftrags ignorieren.
Eine Sache, die sich definitiv über den Lauf des Monats verbessert hat, ist mein schriftliches Bulgarisch, dazu wäre es in Österreich wohl nie gekommen. In der Schule aber führte ich stets so gut es ging Protokoll über die besprochenen Themen und unbekannten Vokabeln. Unerwarteterweise hielt ich mich oft in der dortigen Schulbibliothek auf, da dort stets spannende Schüler anzutreffen waren, mit denen man sich gut unterhalten konnte. Darunter viele Mitglieder der Schülervertretung; eine Kuriosität dieser Schule war nämlich nicht nur die unverhältnismäßige Größe der SV mit über 30-40 Mitgliedern, sondern auch ihre wahrlich puritanische Arbeitsethik! Sie bleiben nämlich teilweise täglich stundenlang nach Schulende dort, um an Schülervertretungsangelegenheiten zu arbeiten.
Ich war natürlich auch außerhalb der Schule tätig und traf mich mit meinen neuen Kollegen für Rundgänge um das Zentrum Sofias und dessen Museen. Zudem genoss ich, passend zu meinem dortigen Schulzweig Kinotechnik, einige Theaterbesuche. Was die bulgarische Küche angeht, liegen meine Empfehlungen bei Baniza, was quasi ein Teiggebäck, meist gefüllt mit „Sirene“ (Schafskäse), ist sowie dem Shopska-Salat, ein besonders im bulgarischen Sommer ganz erfrischendes Gericht, das sich aus Gurken, Tomaten, Zwiebeln und mal wieder Sirene zusammensetzt. Alarmierend! Ein unnützer Fakt am Rande: Shopska-Salat kommt von der bulgarischen Volksgruppe der Shopi, obwohl die gar nichts mit dem Salat zu tun hat.
Ich könnte noch so viel mehr schreiben, aber ich sollte langsam zu einem Ende kommen. Ich würde sagen, dass man das Programm jedem empfehlen kann, der eine wirkliche kulturelle Bereicherung für sich zum Ziel hat. Zwar kann die neue Umgebung zeitweise überwältigend wirken - es dauerte für mich, trotz meiner bestehenden Kenntnis des Landes, ungefähr ein bis zwei Wochen, bis ich mich wirklich einigermaßen organisiert in den dortigen Alltag integrieren konnte - aber im Endeffekt bildet es eine prägende Erfahrung für die Selbstverwirklichung und zahlreiche unvergessliche Erlebnisse. Zudem trifft man auch eine Menge interessanter Menschen aus einem anderen Umfeld, mit denen man im besten Fall bestehende Bindungen aufrechterhalten kann. Denn zuletzt möchte ich mich für die große Gastfreundlichkeit von allen, die ich dort kennengelernt habe, bedanken. Ich wurde kurz vor meiner Abreise von der Bibliothekarin sogar mit einem klassischen bulgarischen Buch beschenkt, was ich wirklich nicht erwartet habe - denn sicherlich habe ich es nicht immer allen leicht gemacht, indem ich mich wie ein Daniel Seitz verhalten habe - doch ich wurde in meiner Gruppe stets freundlich empfangen und das weiß ich zu schätzen. Ich habe meinen persönlichen Horizont definitiv erweitert und wünsche diese bereichernde Erfahrung auch noch vielen weiteren SchülerInnen unserer Schule.
Поздрави,
Seitz Daniel

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